Die zwölf Rauhnächte

Die mystische Zeit zwischen den Jahren

Die Spanne vom 24. Dezember bis zum 5. Januar ist die Zeit der Rauh-nächte – nach alten Überlieferungen eine mystische und besondere Zeit, in der viel Wundersames geschehen kann. Der Volksglaube besagt, dass eine besondere Verbindung zur Geisterwelt besteht. Wer die alten Rauhnacht-Rituale richtig zu deuten weiß, der soll die Geschehnisse des neuen Jahres voraussagen und beeinflussen können.


Von alters her sprechen die Menschen deswegen von der „Nacht“, da wir uns nach dem keltischen Jahreskreis in der sogenannten Jahresnacht befinden. Die Rauhnächte werden auch als Losnächte bezeichnet, was von „losen“ und „vorhersagen“ kommt. Alles, was an diesen Tagen passiert, ist von besonderer Bedeutung, ob freudige oder unangenehme Begegnungen, Glück und Harmonie oder Streit, Überraschungen und besondere Wettervorkommnisse. Dabei steht jeder Tag repräsentativ für einen Monat im kommenden Jahr. Wer möchte, kann während dieser magischen Tage seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Ziele und Wünsche im neuen Jahr lenken. Mit der Kraft der Rauhnächte könnten sie sich schneller verwirklichen lassen.

Besondere Fürsorge für die Tiere

„Die Bezeichnung „Rauh“ kommt aus dem Althochdeutschen von „Ruch“, was struppig oder pelzig bedeutet“, weiß Buchautor und Brauchtumsexperte Jens-J. Schlegel aus dem Odenwald.

„Es heißt, dass in diesen Tagen die behaarten Dämonen ein letztes Mal die Oberhand gewinnen, bevor das Licht Einzug hält und die Tage wieder länger werden.“

 

So sieht man an vielen Fenstern brennende Kerzen, die vor allem in den letzten drei Nächten die dunklen Gestalten fernhalten sollen. Die meisten Märchen mit behaarten Wesen, wie etwa Rotkäppchen oder der Wolf und die sieben Geißlein, seien von den Rauhnächten abgleitet, erzählt Schlegel.

 

Der 75-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit seiner Kindheit, in der die Arbeit während der Rauhnächte so gut es ging niedergelegt wurde. Die  Tiere genossen die besondere Aufmerksamkeit der Bauern und wurden zu keinen schweren Arbeitseinsätzen eingespannt. Auch in seinen Berufsjahren als Heilpraktiker verzichtete Jens-J. Schlegel zwischen den Jahren auf größere Behandlungen und war damit nach eigenen Worten immer gut beraten.

Persönliche Räucherrituale für

Schutz und Klarheit

Am 5. Januar um 24 Uhr wird mit der Perchtnacht das Ende der mystischen Tage eingeläutet. Traditionsgemäß werden dann die Ställe, Häuser und Grundstücke mit Heilpflanzen und Harzen geräuchert, um Mensch und Tier von schlechten Energien zu reinigen und vor Unheil zu schützen. Persönliche Räucherrituale helfen uns zudem, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, unsere Gedanken zu bündeln und Klarheit über unser Leben zu bekommen.

 

In Dankbarkeit können wir Altes und nicht mehr Benötigtes loslassen, um Schutz für liebe Menschen bitten und unsere Räume mit Licht und Liebe füllen. Hilfreiche Räucherpflanzen sind Beifuß, Engelwurz, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Mistel und natürlich weißer Salbei.

 

In der Perchtnacht, der Nacht auf Heilig Drei König, finden vor allem in Bayern und Österreich uralte Brauchtumsveranstal-tungen statt. Allerlei wilde Gesellen, Tiergestalten und die Wintergöttin, die Percht, bieten vor vielen Zuschauern einen lautstarken Umzug dar, um traditionsgemäß die Geister der Krankheit und des Todes zu vertreiben.

Besondere Rituale für die Rauhnächte:

Schreiben Sie 13 Ziele und Wünsche für das neue Jahr auf kleine Zettelchen und legen sie diese zusammen. In jeder Rauhnacht dürfen Sie einen Zettel ziehen und verbrennen, ohne jedoch nachzu-sehen, welcher Wunsch gezogen wurde. So bleibt am 6. Januar, nach der letzten Rauhnacht, ein Zettelchen übrig. Dies ist der Wunsch, um den Sie sich im neuen Jahr selbst kümmern dürfen.

 

Legt eine junge Frau in der Heiligen Nacht am 24. Dezember zwei Teile einer Zwiebel auf einen Teller und streut Salz auf eine Hälfte, soll sie am nächsten Morgen die Gesichtszüge ihres zukünftigen Mannes erkennen können.